Wenn man wegen der Periode plötzlich Freudensprünge macht…

Männern ist sie ein Rätsel, den meisten Frauen eine Plage. Dennoch spielt sie für die menschliche Existenz eine unfassbar wichtige Rolle: Die Periode, die Regel oder auch die Erdbeerwoche.

Ihr mögt euch jetzt fragen, weshalb ich über eine solch intime Sache einen ganzen Blogpost verfasse und warum diese Selbstverständlichkeit des weiblichen Körpers derartige Emotionen bei mir ausgelöst hat. Denn eigentlich hatte ich gar nicht vor, heute darüber zu schreiben. Aber manchmal kommen die Dinge anders, als man sich das vorgestellt hat und so wurde diese Nebensächlichkeit für mich zum Statussymbol.

Im letzten Beitrag berichtete ich von den quälenden Gedanken, die mit meiner Essstörung einhergehen. Diese Stimme im Kopf, die einem alles madig macht, obwohl man sich so sehr dagegen wehrt. Ich beschreibe sie gewissermaßen als meinen düsteren Teil, den jeder in sich trägt und der nun herausgebrochen ist. Die gute Seite war derartig von Selbstzweifeln zerfressen, dass sie dem Druck der Dunkelheit nicht mehr standhalten konnte. Doch diese philosophischen Gedanken sollen heute nicht das Thema sein, hinterlasst aber gerne einen Kommentar, wenn ihr euch einen separaten Artikel dazu wünscht.

Viel mehr geht es um das, was diese Gedanken im Endeffekt mit meinem Körper gemacht haben. Mit meiner exponentiellen Gewichtsabnahme wurde ich nicht nur schrittweise magerer und schwächer, sondern zerstörte ebenso meinen eigenen Körper. Seit März 2016 befand ich mich auf dem absteigenden Ast, wobei ich immer tiefer in die Teufelsspirale glitt. Neun Monate später, also im Dezember 2016, schickte mein Körper mir ein Signal, das mich auf den Schaden aufmerksam machen sollte: Meine Periode blieb aus. Damals war ich 13 Jahre alt.

Dieses Zeichen nahm ich zur Kenntnis, begriff jedoch in überhaupt nicht den Ernst der Lage. Ohne dass ich es merkte, aß ich weniger, wurde weniger. Damit verabschiedete ich mich jeden Monat mehr von meiner Gesundheit. Sobald ich im Juni 2017, kurz nach der offiziellen Diagnose, allmählich wieder zur Vernunft gekommen war, verstand ich die wahnsinnigen Probleme, vor denen ich diesbezüglich stand. Bis dahin war für mich eine Zukunft mit Kindern, als fröhliche Mutter mit einem Mann an meiner Seite selbstverständlich gewesen. Doch je länger meine Periode ausblieb, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie nie wieder kommt. Dementsprechend musste ich mir mit 14 Jahren Sorgen darüber machen, unfruchtbar zu werden.

Kennt ihr das Gefühl, wenn euch etwas vollkommen unrealistisch vorkommt? Wenn ihr euch fühlt, als wären eure Gedanken bloß eine Fantasiewelt, die ihr euch ausgedacht habt? Als würdet ihr euch in einer Blase befindet, die euch von allem abschirmt? – Genauso habe ich mich gefühlt. Mir kamen diese Ängste und Sorgen absolut surreal vor. Es gab Momente, in denen ich weinend in meinem Bett lag, mein Schicksal verfluchte und meine Zukunft wie einen misslungenen Entwurf einer Zeichnung zusammengeknüllt in den Mülleimer geworfen hatte. Andererseits trieb mich immer wieder die Vorstellung, dass alles wieder gut werden würde.

Besonders an diesen positiven Gedanken klammerte ich mich seit meiner Entlassung aus der Klinik regelmäßig fest, wenn ich in einem Tief steckte. Obwohl ich mir absolut sicher war, dass meine Periode dann einsetzen würde, sobald ich erneut das Gewicht erreicht habe, das ich bei ihrem Verlust hatte, blieb sie weiterhin aus. Ich nahm seitdem weiter an Gewicht zu und wartete ab. Immer länger, immer verzweifelter. Ich hatte solch wahnsinnige Angst, dass ich mir einen meiner größten Herzenswünsche selbst verbaut hatte. An schlechten Tagen fachte das die dunkle Seite in mir an.

Erst vor zwei Tagen dachte ich darüber nach, wie ich meinem zukünftigen Freund (den es hoffentlich irgendwann geben wird!) beichten soll, dass ich ohne seine Mitsprache diese zukunftsverändernde Entscheidung getroffen habe. Schon seit ich klein war, habe ich mir unaufhörlich vorgestellt, wie ich meine Kinder nennen würde, Kleidung für sie kaufen würde und wie ich sie erziehen würde. Jede von mir ausgedachte Kleinigkeit stand nun auf einer eigenen Scherbe der Zukunft, die nun vor meinen Augen zerbrochen war.

Während ich diesen Artikel schreibe, überlege ich die ganze Zeit, ob dieser Gedanke von vorgestern vielleicht eine Art Ankündigung war. Eventuell habe ich indirekt gespürt, dass sich das alles bald in Luft auflösen sollte. Bereits heute früh hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengegend, um genauer zu sein ein wenig darunter. Nach eineinhalb Jahren hatte ich die Unterleibsschmerzen, die ich in dieser Form ausschließlich von meiner Periode kannte. Kurz nach dem Mittagessen wurde es dann offiziell und ich war lange nicht mehr so froh, noch einen Vorrat an Binden zu haben!

Natürlich beschwere ich mich jetzt schon über die Schmerzen und die allgemeinen Unannehmlichkeiten, die mit der „Erdbeerwoche“ einhergehen. Aber macht das nicht jede von uns? Andererseits platzte ich fast vor Emotionen, als ich nach der Ungläubigkeit einen klaren Gedanken fassen konnte. Die ganze Panik und der damit einhergehende Druck ließen von mir ab: Ich weinte. Zudem hätte ich vor Freunde durch das Haus springen können.

Eigentlich wollte ich heute nicht philosophisch werden, wobei ich davon jetzt abweichen muss. Vor fast drei Monaten wurde ich aus der Klinik entlassen und seitdem warte ich auf einen für mich eindeutig Erfolg. Mir wird zwar gesagt, dass ich nun fröhlicher und aufgeweckter bin als vor der Klinikzeit. Weil das jedoch schleichend vonstatten ging, spüre ich das nicht aktiv. Es kommt mir vor, als wäre es schon immer so gewesen. Ich wollte etwas haben, wofür sich das Kämpfen gelohnt hat und das mir Motivation für die Zukunft gibt.

Doch die heutige Veränderung hat für mich viele Bedeutungen von hohem Charakter. Es sind vor allem drei Dinge, die mich jetzt wieder an das Gute glauben lassen:

1.) Das permanente Kämpfen war nicht sinnlos und es lohnt sich weiterzumachen.

2.) Der Scherbenhaufen wurde mit einem Mal zusammengeklebt. Kinder, die für mich von immenser Wichtigkeit sind, gehören erneut zu meiner aktiven Zukunftsplanung.

3.) Mein Körper hat mir verziehen. Er hält mich für verantwortungsvoll genug, um auf mich selbst aufpassen zu können und zeigt mir auf diesem Weg sein Vertrauen.

Für mich hat die Periode also nicht nur den Wert einer nervigen Spielerei des weiblichen Körpers, stattdessen ist sie mir trotz der Umstände, die mit ihr einhergehen, ein Motivator. Denn ich gehe so weit und sage, dass sie für mich zum Statussymbol meiner körperlichen Gesundheit geworden ist. Und damit zum Maß aller Dinge.

Der Vorrat meines Wundermittels: Tee trinke ich zu jeder Jahreszeit gerne!

Jetzt verkrieche ich mich mit meiner Wärmflasche und einer Tasse Tee auf die Couch, um die nächsten Tage möglichst ohne Gefühlsausbrüche durchzustehen. Denn wenn ich eine Sache von vor eineinhalb Jahren weiß, dann dass es extrem einfach ist, mich von glücklich zu genervt zu bekommen. Außerdem bin ich in dieser Zeit immer furchtbar müde, sodass ich wenigstens einen triftigen Grund dafür habe, nichtstuend auf der Couch zu liegen ;D

Bis zum nächsten Mal!

Sophie von AlwaysMeSophie

PS: Ich entschuldige mich für diesen riesigen Text, aber weil es so spontan war, hatte ich keine passenden Bilder! Für die Zukunft gelobe ich Besserung 🙂

2 Comments on “Wenn man wegen der Periode plötzlich Freudensprünge macht…

  1. Liebe Sophie
    Herzlichen Dank für die Veröffentlichung dieses intimen Blogbeitrages. Der Text ist sehr schön geschrieben und weckt garantiert in jedem Leser Emotionen. Ich wünsche dir nur das Beste 😊

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  2. Liebe Sophie, ja das wusste ich, dass eine Anorexie mit dem Ausbleiben der Regel einhergeht. Schön, dass es sich jetzt wieder eingespielt hat.
    Alles Liebe Claudia

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